Seit zehn Jahren geht es in Oschatz „Rund um den Globus“. In der Veranstaltungsreihe nehmen Thomas Barth und Weltreisende aus ganz Deutschland die Besucher mit auf Abenteuer in anderen Ländern. Kristin Engel hat mit dem Initiator über die Geschichte der Vortragsreihe gesprochen.

Thomas Barth nahm sich eine Auszeit. Eine gute Entscheidung, findet er, in der aktuellen Zeit. Zehn Tage lang blendete er aktuelle Nachrichten aus und verzichtete auf Auto, Computer, Internet, Social Media und sogar auf das Benutzen von Elektrizität. Er konzentrierte sich auf sein Heim, seinen Garten und eine gesunde Ernährung. Ja, es ist ruhig bei dem Treptitzer. Das ist sonst anders. Denn er organisiert und plant die Veranstaltungsreihe „Rund um den Globus“. Und das bereits seit zehn Jahren in Oschatz. Die allererste Präsentation in Oschatz war eine Vorführung mit Bildern von Fotograf Sven Perski aus Riesa.

Schon 2007 organisierte Thomas Barth Veranstaltungen in Cavertitz, die zum Teil kostenfrei oder zu einem geringen Preis besucht werden konnten. Doch die Location wurde zu klein, weshalb er sich nach neuen Räumlichkeiten umsah und das O im Oschatz-Park für sich entdeckte. In der ersten Bilderschau berichtete Sven Perski über seine Tour durch den Himalaja. „Es waren sehr viele Besucher da, sodass wir gemerkt haben, dass der Bedarf und das Interesse in Oschatz auf jeden Fall gegeben waren“, erinnert sich der 43-Jährige. So wurde die Veranstaltungsreihe immer von Januar bis März geplant. „Mit dem Ziel, das erste Quartal zu füllen, eine sinnvolle Beschäftigung zu bieten und für einen guten Start in das neue Jahr zu sorgen. Ich freue mich jedes Mal darauf.“

Mit Oschatz und Riesa hat Thomas Barth so zwei Veranstaltungsstätten. Zeitweise kamen auch Dahlen, Belgern, Bad Liebenwerda und Meißen hinzu. Und die Gäste kommen nicht nur aus Oschatz und Umgebung, sondern beispielsweise auch aus Dresden und Leipzig. Die Referenten stammen aus ganz Deutschland und Österreich. Darunter waren schon sehr viele, die zu den Besten der Szene zählen und für ihre Vorträge zahlreiche Preise gewonnen haben. „Die Vortragsreihe war aber auch für mich selbst eine gute Bühne, auf der ich mich weiterentwickeln konnte, da alle meine Vorträge hier Premiere hatten.

“Vier Shows – vier Referenten. Jedes Jahr andere Leute. Meistens sind es Männer, die von ihren Abenteuern in fremden Ländern berichten können. Doch auch Frauen sollen immer mit dabei sein. Darauf legt der Treptitzer großen Wert. So sorgte in diesem Jahr die Ganzigerin Sophie Jähnigen für ein ausverkauftes Haus. Eine Weltreise, 15 Länder, vier Kontinente. „Bei Sophie waren um die 300 Besucher da. Die Plätze waren zum ersten Mal ausverkauft. Das ist für eine Stadt wie Oschatz sehr gut. Es war ein schönes Zusammenarbeiten mit Sophie. Ich hatte ihrem Privatvortrag in Ganzig gelauscht. Ich war inkognito dort, wurde aber erkannt. Sie hatte es frisch und fröhlich dargeboten. Wir haben zusammen an dem Vortrag für ,Rund um den Globus’ gearbeitet und ihn für die große Bühne angepasst. Das Ergebnis war beeindruckend. Ich fand es sehr couragiert von ihr, dass sie ihre Reise vor so vielen Menschen präsentiert hat. Es war eine sehr gute Zusammenarbeit“, schwärmt Thomas Barth.

Solche Menschen zu treffen, ist für ihn wichtig. Er bekommt regelmäßig viele Mails und Angebote, von Leuten, die gerne ihre Bilder und Erlebnisse zeigen möchten. Das Wichtigste ist dann das persönliche Gespräch. „Ich schaue mir den Vortrag vorher an. Mir liegt viel daran, dass der Referent eine authentische, berührende Geschichte zu erzählen hat. Selbstdarsteller und Rekordjäger schließe ich in meinem Auswahlverfahren von vornherein aus. Für mich stehen der persönliche Mut und die persönliche Weiterentwicklung im Vordergrund.“

Das Programm für 2021 steht bereits fest. 2022 ist in Arbeit. Thomas Barth plant immer zwei Jahre voraus. Die Referenten werden nach und nach gebucht. Kurzfristig etwas zu organisieren, liegt ihm eher nicht. Er möchte eine Auswahl von überzeugenden Leuten. Dass er eine Veranstaltung absagen musste, gab es in den vergangenen zehn Jahren nicht. In diesem Jahr musste er das aber aufgrund der Corona-Krise erstmals tun.

Doch mit seinem Selbstexperiment und den zehn Tagen ohne Telefon, Internet, Auto und Heizung will er für sich selbst etwas erreichen. Eine ganz neue Erfahrung, zu der er auf seiner eigenen Pilgerreise inspiriert wurde. Fünf Jahre lang – in den Jahren 2012 bis 2017 – ist er immer wieder auf dem Jakobsweg gewandert. So kam er von Görlitz bis nach Santiago de Compostela – in fünf Etappen. Dabei legte er jeweils 600 bis 800 Kilometer in fünf Wochen zurück. 2017 sogar 900 Kilometer in 30 Tagen. „Der Herbst ist für mich die beste Zeit zum Wandern. Dann ist es nicht mehr so heiß und ich kann mich auch mal von Nüssen und Beeren ernähren. Im Frühjahr habe ich einfach zu viel geschäftlich zu tun“, sagt der 43-Jährige.

Auch er möchte sich wieder einmal die Wanderschuhe anziehen. Wohin es gehen soll, steht noch nicht fest. Er könnte sich einen Weg über die Alpen oder in Richtung Osteuropa gut vorstellen. Er selbst lebte eine Zeit lang in Polen. Hierhin würde es ihn wieder ziehen. Und das mit einem nur geringen Tagesbudget. Wer weiß, vielleicht wird auch dieses Erlebnis eines Tages ein Teil der Veranstaltungsreihe „Rund um den Globus“. Doch für das kommende Jahr ist alles in Sack und Tüten und er freut sich, mit den Besuchern auf spannende Reisen gehen zu können.

Mir liegt viel daran, dass der Referent eine authentische, berührende Geschichte zu erzählen hat. Selbstdarsteller und Rekordjäger schließe ich in meinem Auswahlverfahren von vornherein aus. Thomas Barth

Oschatzer Allgemeine Zeitung vom 02.04.2020
Text: Kristin Engel

BU-Bild-01: Thomas Barth erfand die Vortragsreihe „Rund um den Globus“. Auch er selbst nutzt diese Bühne für Vorträge. So wanderte der Treptitzer gern auf dem Jakobsweg.
Foto: Privat/Thomas Barth

BU-Bild-02: Die Veranstaltungsreihe „Rund um den Globus“ ist beliebt. Besucher kommen beispielsweise auch aus Leipzig oder Dresden.
Foto: Privat/Thomas Barth

BU-Bild-03: Auch die Weltreisende Sophie Jähnigen – hier in Marokko – präsentierte bei „Rund um den Globus“ bereits ihre Bilder.
Foto: Privat/Sophie Jähnigen

Treptitzer nutzt die momentane Situation für eine Auszeit

Zehn Tage Auszeit: Für Thomas Barth aus Treptitz ist die aktuelle Situation die beste Zeit, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen. „Besondere Zeiten erfordern besondere Schritte. Das zeigt sich in diesen Tagen ganz besonders und wird uns auch von den Behörden jeden Tag aufs Neue verdeutlicht, die mich gezwungen haben, meine geschäftlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten vollkommen einzustellen“, sagt der 43-jährige Veranstalter von „Rund um den Globus“. Aus diesem Grund hat er sich dazu entschlossen, zehn Tage lang ein kleines Experiment zu wagen und sich aus dem öffentlichen Leben komplett zurückzuziehen – wie es ohnehin angeraten ist. „Seit fünfzehn Jahren lebe ich wieder auf dem Land und lebe doch oft wie ein Großstädter – mit täglichem Autogebrauch, Essen aus dem Supermarkt, intensiver Nutzung des Internets beziehungsweise Mobiltelefons et cetera. Doch vom Landleben ist oft wenig zu spüren, außer dass die Landschaft um mich herum grün statt grau ist. Das will ich jetzt für einige Tage ändern.“ Nachdem er sich das Nötigste für diese Zeit eingekauft hat – darunter eine Kiste Gemüse und ja,auch etwas Toilettenpapier – hat er am Mittwoch 12 Uhr damit begonnen, auf die Annehmlichkeiten der modernen Welt weitgehend zu verzichten. „In dieser Zeit möchte ich insbesondere folgendes tun: kein Auto fahren, keine Elektrizität nutzen, keinen Computer und kein Handy verwenden, also auch keine Whatsapp- und E-Mail- Nachrichten lesen, nicht fernsehen, was ich ohnehin nicht mache, und kein Radio hören, mich vegan ernähren, daher die Kiste Gemüse und keinen Kaffee und Alkohol trinken“, erklärt er.

Die Zeit möchte er für Aufräumarbeiten auf dem Grundstück, das Anlegen beziehungsweise Pflegen seines Gartens und für kleine Wanderungen in die unmittelbare Umgebung nutzen. Lesen, Schreiben und Musikmachen werden sicher auch eine stärkere Rolle spielen. „Es handelt sich also mehr oder weniger um eine kleine persönliche Fastenzeit, in der ich meine Aktivitäten stärker an den natürlichen Tageslauf anpassen will. Ich werde versuchen, das bis zum 28. März um 12 Uhr durchzuführen. Danach bin ich auch wieder über die üblichen Kanäle erreichbar, sofern sie funktionieren. Über die zehn Tage offline werde ich ein handgeschriebenes Tagebuch führen. Ob ich in dieser Zeit auch fotografiere, entscheide ich nach Gefühl. Gleiches gilt für das Festnetztelefon.“ Inspiriert wurde der Terpitzer dazu bereits im Jahr 2017, als er auf dem Jakobsweg zwei Menschen traf, die auf ihrem Weg 40 Tage lang auf Technik verzichteten.

Oschatzer Allgemeine Zeitung vom 23.03.2020
BU: Thomas Barth mit zwei Pilgern, die 40 Tage auf moderne Technik verzichten wollten, auf dem Camino Francés in Spanien im Jahr 2017.
Text: Kristin Engel
Foto: Thomas Barth